Doc-Scholl, Fahrertraining

Dr. Christoph Scholl ist Rennarzt mit Leib und Seele

Emotionen sind ihm wichtig. Er legt Wert auf Ehrlichkeit, Treue und Freundschaften. Dr. Christoph Scholl ist Rennarzt mit Leib und Seele. In Bermuda-Shorts und mit ins Gesicht gezogener Baseball-Kappe sitzt er am Rande der Rennstrecke auf dem Trittbrett seiner Wohnwagentür, schält eine Banane und reißt Sprüche am laufenden Band. Auf den ersten Blick ist es schwer zu glauben, dass dieser unbekümmerte Mann Arzt ist. Doch der äußere Eindruck täuscht. Der fröhliche Mensch heißt Dr. Christoph Scholl, ist 57 Jahre und ein begnadeter Mediziner.„ Der Witz ist“, erzählt er, „dass mir Leute sagen, für mein Image wäre es besser, richtig seriös zu wirken. Aber dass fällt mir schwer. Es ist halt meine Art. Ich erwarte, dass die Leute differenzieren können, was Umgangsformen und Professionalität betrifft.“ Christoph Scholl hat Humanmedizin studiert, 1973 das Staatsexamen gemacht und vier Jahre später promoviert. Thema seiner Doktorarbeit : „Ventrikelwandfunktion bei partieller Ischämie am narkotisierten Hund.“Scholl bestand mit „summa cum laude“, dem höchsten Prädikat für Doktorarbeiten.

Da hört der Scholli über Funk, wo und wie ein Fahrer abgeflogen ist und sagt zu mir: ‚Siebte oder achte Rippe. Gebrochen.’ — Es war die Achte.

(Bericht eines Streckenpostens vom Nürburgring)

Rennarzt: Fachliche Kompetenz

Rennarzt national und international (1990 beim GP mit Claudio Costa beim WM-Zirkus unterwegs) tätig. Zusatzbezeichnungen und Berechtigungen: DMSB leitender Rennarzt Motorrad, Sportmedizin, Zulassung zur Chirotherapie, Fachkunde Rettungsdienst

Veranstalter: Mitbegründer von Renntrainings

Mit eigenen Motorradveranstaltungen macht sich der Mitbegründer dieser Renntrainings seit 1972 einen Namen. Früher auf der Betonschleife des Nürburgrings und dem Contidrom in Hannover, heute u. a. mit sehr beliebten Trainings in Calafat, Oschersleben sowie der weltweit einzigartigen Nordschleife.

Referent: Rhetorik im Gewand der Freude

Wenn Dr. Christoph Scholl über den Rennsport und das Motorradfahren an sich referiert, bleibt kein Auge trocken. Fachliche Kompetenz vermischt mit Witz, Charme und Selbstironie sind Garanten für Aufmerksamkeit und Lerneffekt bei den Zuhörern.

Instruktor: Jahrzehntelange Erfahrung

Wohl dem, der von seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Motorsport live profitieren kann. Seit Jahren unterstützt Dr. Christoph Scholl nicht nur als Rennarzt, sondern auch als Instruktor den Nachwuchs auf den Rennstrecken dieser Welt.

1969 fuhr Christoph Scholl selbst sein erstes Rennen

Seine Liebe gilt dem Rennsport. Nachdem er jahrelang unfallchirurgisch tätig war und sich als praktischer Arzt niederließ, arbeitet er seit 1994 als Rennarzt – wenn er nicht gerade selbst fährt. Aufgewachsen in St. Wendel, kam er frühzeitig mit Motorrädern in Berührung. Erstens hatte er einen Vetter, der Rennen fuhr, und zweitens war die Familie mit H.P. Müller befreundet, dem Champion auf der NSU Max. Früher war es nämlich üblich, dass die Rennfahrer, die in St. Wendel antraten, im Ort verteilt wurden und bei Einheimischen übernachteten. „ Es war nicht wie heute, wo Trucks und Wohnmobile im Fahrerlager aufgebaut werden“, sagt Scholl. „Das NSU-Werksteam kam damals mit drei Bussen und war bei uns im Hof zu Hause. Und ich hab das immer bewundert.“ 1969 fuhr Christoph Scholl selbst sein erstes Rennen. Zum Entsetzen seiner Eltern. „Sie haben sich gefragt, was sie falsch gemacht haben.“

Grand-Prix-Szene

In der Grand Prix- Szene blühte das Talent des Arztes so richtig auf. „Da habe ich einmal den August Auinger aus Österreich wieder flott gemacht, als der gestürzt war. GP-Doktor Claudio Costa hatte ihm sechs Monate Heilungszeit für die Knie prophezeit. Eine vernichtende Aussicht. Aber bei mir hat er nach sieben Wochen wieder auf dem Motorrad gesessen. Wir haben ihm Eisspray unterm Tank angebracht. Das Ventil war direkt am Tank. Jedes mal, wenn der Gustl beim Bremsen nach vorn gerutscht ist, hat er Eisspray an die Knie gekriegt. Das hat wunderbar gekühlt und funktioniert“, strahlt Scholl, beglückt über seinen Einfall, noch heute übers ganze Gesicht.

„Ich habe mir so was extrem gerne ausgedacht und mich jedes Mal gefreut wie tausend kleine Teufel.“ Und er bemerkte auch, dass nicht nur ärztliches Können, sondern vor allem emotionale Dinge eine große Rolle bei der Heilung spielen. Da war zum Beispiel die Sache mit den Ananas. Scholl grinst schon, bevor er mit Erzählen anfängt. „1990 war ich beim Suzuka-Grand-Prix und danach in der Südsee. Da habe ich von einem Maori Ananas kaufen wollen. Ich gab ihm Zwei Dollar. Er hat mir dafür den ganzen Wagen umgekippt und gleich alles überlassen. Das war viel zu viel, aber zum Wegschmeißen zu schade.“ Scholl sammelte alles ein, schleppte die Früchte ins Hotel und presste sie über Nacht im Zimmer aus. Nachher waren es drei Liter Sirup. „Und die habe ich im Gepäck mit nach Laguna Seca mitgenommen.“ Dort sollten sie in die Geschichte eingehen. Scholl freut sich fast wie ein kleines Kind.

„Der erste, der im freien Training runterfiel, war Rolf Biland bei den Seitenwagen. Schlüsselbeinbruch. Als ich ihn behandelte, hat er sich die ganze Zeit umgeschaut und sagte dann, bei mir rieche es so gut. Ich habe gesagt, der Geruch käme von einem super Mittel, mit dem er so richtig nach vorne kommen könnte. Dann habe ich den Sirup rausgeholt, mit Wasser verdünnt und ein bisschen Isogetränk dazugespritzt, Er hat's getrunken und war danach Zweiter im Training – obwohl er einen Schlüsselbeinbruch hatte und einen Rucksackverband tragen musste.“ Stunden später stand das halbe Fahrerlager vor Scholls Wohnwagen und wollte wenigstens ein Glas von dem kostbaren Getränk. „Die Fahrer haben gesagt, sie hätten noch nie etwas getrunken, was sie so schnell mach. Vom Waldi bis zum Stefan Prein.“ Scholl fast reumütig: „Wenn ich denen hinterher gesagt hätte, dass ich das nur aus Verzweiflung getan habe, weil ich dem Biland helfen wollte und alles nur konzentrierter Ananassaft war, hätte das eine Krise ausgelöst. Aber das wollte sowieso keiner wissen.“

(Quelle: MR&S 12/2002)


Vorträge von Doc-Scholl

Neben der Tätigkeit als Arzt und Veranstalter von Renntrainings ist Doktor Christoph Scholl auch als Referent unterwegs. Bundesweit hält er Vorträge, die er auf Grund von eigenen Erfahrungen mit viel Witz und persönlichen Eindrücken würzt. Wer einmal an einem solchen Vortrag teilnahm, wird die Mischung aus Fachkenntnis gespickt mit humorigen Anekdoten nicht sobald vergessen.

Ausschnitt aus dem Vortagsangebot:

  • Schmerzfrei stürzen? Protektiver Wert von Motorradbekleidung
  • Vergleichende Untersuchung von motorisierten Zweiradunfällen auf der Straße im Vergleich zur Rennstrecke
  • Weniger Schadstoffe – mehr Leistung, die Anti-Aging-Strategien
  • Mentales Training für Sportler und leistungsorientierte Strategien (emotionale / motivationale Fitness)